Regattabegleitung "RUND UM" mit Seenoteinsätzen
03. und 04.06.2005

Entner gewinnt zum 7. Mal – Gewitter schüttelt Feld durch (Lindauer Zeitung vom 06.06.05)

Lindau - Einmal mehr hat Joschi Entner mit der Libera „Principessa“ bei der „Rund um“ des Lindauer Segler-Clubs gewonnen. 452 Yachten gingen am Freitagabend an den Start, 283 erreichten am Samstag das Ziel. Nachts zog eine Gewitterfront über den See. Sie sorgte für einige Havarien: Eine gesunkene Yacht, zwei gekenterte Boote und eine Leichtverletzte neben Mastbrüchen und zerfetzten Segeln.

Von unserem Mitarbeiter Volker Göbner

Mit einem Bilderbuchstart bei Flaute begann die „Rund um“ am Freitagabend pünktlich um 19.30 Uhr. Die schnellsten Boote bewegten sich langsam vorwärts, das Hauptfeld hatte sich nach einer Stunde gerade einmal ein Stückchen von der Startlinie entfernt. Entsprechend lange konnten Tausende Zuschauer an den Uferpromenaden und Molen den Start verfolgen. Langsam verschwand die Sonne in einer Schicht von Schleierwolken. Denn der Wetterdienst hatte für die Nacht (prognostiziert war 2 bis 4 Uhr) den Durchzug einer Kaltfront mit lokalen Gewittern angekündigt.

Früher als versprochen, schon etwa gegen 22 Uhr, blitzte es über dem Westteil des Sees ganz heftig. Auch im Osten blinkten die Lichter der Starkwindwarnung. Gespenstisch wirkte die Szenerie, wenn Blitze die Armada beleuchteten. Der Wind setzte mit bis zu sieben Beaufort ein, stellenweise war der starke Regen mit Hagelkörnern durchsetzt. Verkleinern der Segelfläche war angesagt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die zunächst aussichtsreich gelegene Libera „Italia“ schon aufgegeben und sich nach Lindau zurückschleppen lassen. Auf der „Principessa“ waren die Segel bis auf ein kleines Vorsegel geborgen.

Bei vielen Yachten führten die plötzlich einsetzenden Böen zum Tohuwabohu. Zwei Boote kenterten, einige stießen im Durcheinander zusammen, ein Boot sank nach Wassereinbruch. Zwei Masten brachen, Segel gingen in Fetzen. Eine Rommel-33, die von einem 22-qm-Schärenkreuzer breitseits gerammt wurde, konnte sich trotz eines Lochs im Rumpf von rund einem halben Quadratmeter Größe aus eigener Kraft in den Hafen retten. Die Sicherungsboote, die in großer Zahl die Regatta begleiteten, schleppten die Havaristen ab und retteten über Bord gegangene Personen. Eine Person wurde mit Unterkühlung und Schock in ärztliche Obhut übergeben. Die internationale Koordinierung der Einsätze hatte gemäß vorherigem Einsatzplan die Wasserschutzpolizei in Friedrichshafen übernommen. Sie registrierte in der Nacht 14 Seenotfälle. Das Gros der Regattateilnehmer wetterte das Gewitter ab und blieb im Rennen. „Die ‚Rund um‘ ist keine Vergnügungsfahrt“, hatte LSC-Vorsitzender Andi Lochbrunner bereits vor dem Start betont.

Die führende Principessa rundete die Wendeboje vor Romanshorn nach dem ersten Gewitter um 23.12 Uhr, in Überlingen war sie 36 Minuten nach Mitternacht. Von da ging es im D-Zug-Tempo zurück nach Lindau. Um 3:17 Uhr knallte der Schuss beim Zieldurchgang vor dem LSC. Sieben Stunden und 47 Minuten brauchten Entner und seine Crew für die gut 100 Kilometer lange Strecke. Der österreichische Hotelier hat die „Rund um“ damit zum siebten Mal gewonnen.

Gut eineinhalb Stunden später erst war das zweite Schiff im Ziel, die „Rubin XIV“ mit Skipper Joachim Grauer vom YC Langenargen – also bereits ein Schiff mit konventioneller Konstruktion ohne Segler im Trapez. Denn die dritte Libera-Yacht „Telebox“ hatte im Gewitter ebenfalls bereits aufgegeben. Im Morgengrauen waren es noch große Abstände zwischen den Booten. Erst gegen Mittag kam das Hauptfeld ins Ziel. Wie hart und konzentriert auf dem Kurs rund um den ganzen See gekämpft wurde, zeigt der minimale Abstand zweier Boote vom Typ X-99: Gerade einmal 50 Zentimeter Vorsprung hatte das schnellere Schiff im Ziel – nach rund 15 Stunden. Die Segler, die das Gewitter überstanden hatten, waren sich im Ziel einig: „Es war eine tolle Regatta.“

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Bilder: n.landerer