Großfeuer (aus "Lindauer Zeitung" vom 18.11.2005)

Familie kommt durch Zufall mit dem Leben davon

LINDAU (dik) - Familie Rogg aus dem Paradies bei Oberreitnau steht vor einem Millionenschaden. In der Nacht zum Donnerstag sind Teile ihres Hofes komplett niedergebrannt. Zum Glück sind alle Bewohner mit dem Schrecken davongekommen, lediglich ein Feuerwehrmann wurde verletzt. Die Brandursache ist unklar.

Familie Rogg verdankt ihr Leben wohl einem Zufall. Um kurz nach 1 Uhr nachts hat Roland Marschal das Feuer gesehen und die Polizei gerufen. Der Fahrer war auf dem Weg nach Oberreitnau, um dort die Lindauer Zeitung auszuliefern. Die Bewohner hatten von dem Feuer noch gar nichts gemerkt, erwachten erst, als Marschal hupend auf ihren Hof fuhr. Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz kamen Minuten später, doch da war es für die Gebäude schon zu spät.

Feuerwehrkommandant Robert Kainz berichtet, dass nicht nur ein Heustadel in Flammen stand, als die Retter auf dem Bauernhof eintrafen. Auch das angebaute Wohnhaus war schon betroffen, ebenso eine etwa 20 Meter entfernte Halle, in der Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen standen. Laut Kainz mussten die Rettungskräfte zunächst die Wasserversorgung sicherstellen. Die Männer legten fast einen Kilometer Schlauchleitung, um das Wasser bei der Holländerkreuzung aus der Ach hochzupumpen.

Polizei holt die Bewohner raus

Bis die Leitung stand, gingen zwei Trupps unter Atemschutz ins Gebäude, um ein Übergreifen der Flammen auf die Wohnräume zu verhindern. Den Stadel habe man nicht mehr retten können, bedauert Kainz. Zum Glück kamen die Bewohner heil davon. Polizisten halfen, den Bauern, dessen Frau, drei Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, ein Urlauberpaar aus Schweden und einen eingemieteten Berufsschüler aus dem Gebäude zu holen. Ein polnischer Saisonarbeiter, der in einem Nebengebäude schlief, brachte sich selbst in Sicherheit.

Laut Kainz hatte die Feuerwehr allerhand zu tun, um ein Übergreifen des Feuers auf weitere Nebengebäude zu verhindern. So waren ein weiterer Stadel sowie der Viehstall mit über 80 Kühen gefährdet. Es gelang, die Tiere konnten im Stall bleiben.

Die Lindauer Feuerwehr hatte alle fünf Wachen alarmiert und war mit 21 Fahrzeugen und fast 150 Rettern im Einsatz. Allein 26 Trupps mussten unter Atemschutz arbeiten, weil Heu und Stroh für starken Rauch sorgten. Hinzu kam wahnsinnige Hitze. Kainz berichtet, dass ein Feuerwehrmann, der draußen im Löscheinsatz war, trotz Schutzhandschuhen an den Händen Verbrennungen zweiten Grades erlitten habe – „der hat Blasen auf der Haut“. An der Drehleiter ist der Kunststoffsitz weggeschmolzen. Auch andere Fahrzeuge wurden beschädigt. Dennoch hatte die Wehr gegen 3 Uhr den Brand unter Kontrolle.

Der Heustadel sowie die Maschinenhalle sind komplett zerstört. Die Wehr half, die Schäden im Wohnhaus möglichst niedrig zu halten und pumpte Löschwasser ab, damit nur wenig ins Mauerwerk eindringen kann. Außerdem trugen die Retter mit den Bewohnern Wertgegenstände aus dem Haus. Die Löscharbeiten dauerten gestern noch den ganzen Tag. Ein Bagger trägt das Heu Stück für Stück ab, die Wehr muss dauernd nachlöschen. Kainz: „Das wird noch Tage vor sich hinkokeln.“

Alarmierung des THW Lindau

Minuten nach der Erstalarmierung der Feuerwehren, wurde auch das THW Lindau zur Einsatzstelle gerufen. Es galt die Einsatzstelle großflächig auszuleuchten. Eingesetzt wurden die Lichtgiraffe, die Beleuchtungseinheit auf dem MAN mit Ladekran, sowie ein Powermoon. Gegen morgengrauen konnten die Helfer vom THW die Einsatzstelle -für´s erste- verlassen.

Schon um 13.00 Uhr wurden die THW Einheiten erneut zum Brandherd gerufen. Diesmal galt es den Dachstuhl des Wohnhauses zu sichern. Es wurden einsturzgefährdete Dachbalken entfernt, Schutt geräumt und mit Brettern eine sog. "Sparschalung" angebracht. Über die Schalung wurden feste Planen angebracht, damit das Wohnhaus gegen Witterungseinflüsse geschützt wird. Nach sechs weiteren Einsatzstunden war auch diese Arbeit erfolgreich erledigt.

wpe1.jpg (54878 Byte) wpe2A.jpg (61565 Byte) wpe2F.jpg (57919 Byte) wpe31.jpg (62901 Byte) wpe33.jpg (47179 Byte) wpe35.jpg (66181 Byte) wpe3F.jpg (58904 Byte) wpe3B.jpg (66583 Byte) wpe3D.jpg (63675 Byte)

Fotos: P. Vosseler/W. Scholz/S. Oertel