LINDAU - Allen sorgfältigen Vorbereitungen zum Trotz: Es hat richtige Schrecksekunden gegeben, als zehn Minuten vor dem offiziellen Start der Seenotübung die Brandmeldeanlage der „MS Konstanz“ den üppigen Nebelwurf der Feuerwehrmänner mit Alarm würdigte. Doch das war der einzige
„Misston“ während dieser Übung vor Lindau.
Von unserem Mitarbeiter Christian Flemming
Die Übung sollte zeigen, wie die Einsatz- und Führungskräfte der verschiedenen Organisationen wie Rotes Kreuz und Wasserwacht, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Wasserschutzpolizei im Ernstfall zusammenarbeiten. Problem: Das Einsatzfeld auf einem Schiff ist äußerst beschränkt, da
dieses nur wenig Lebensraum bietet.
Die Planer der Übung hatten sich ein umfangreiches Szenario überlegt: Im Maschinenraum der „MS Konstanz“ platzt ein Ölkühler gerade in dem Moment, als ein Besatzungsmitglied da unten auf Kontrollgang ist. Der Mann erleidet schwerste Brandverletzungen, die Maschine fällt aus, und es
breitet sich Rauch aus. Der Schiffsführer verständigt umgehend die Rettungsleitstelle Kempten und kümmert sich um das fast manövrierunfähige Schiff.
Doch damit nicht genug: Einer der 150 Passagiere auf dem Schiff meldet die Rauchentwicklung übereifrig dem Kapitän, lenkt diesen so bei einem heiklen Ausweichmanöver ab. Die Folge: Eine kurze abrupte Kursänderung, durch die in der Kombüse Wasser in die heiße Friteuse spritzt, was eine heftige Reaktion
auslöst. Diesen Brand löscht zwar das Küchenpersonal schnell mit der Löschdecke. Trotzdem werden zwei Köche schwer verletzt. Außerdem stürzen mehrere Passagiere bei dem Manöver und verletzen sich teilweise schwer. Vom Rauch in Panik geraten, springen vier Fahrgäste ins Wasser. Sie werden aber schon nach wenigen Minuten von den heraneilenden
Booten der Feuerwehr und der Wasserwacht gerettet.
Diese waren bereits rund 20 Minuten nach dem Alarm am Einsatzort, was die Übungsleiter Klaus Achtelstetter, Chef der Lindauer Wasserschutzpolizei, und Klaus Müller von der Lindauer Kreiswasserwacht lobend herausstellen. Herbert Grübel, der Schiffsführer der „Konstanz“, ist von der Schnelligkeit der
Rettungskräfte überrascht.
Die einsetzende Rettungsmaschinerie funktionierte nach Aussagen Achtelstetters äußerst effektiv. Die Kooperation zwischen den Gruppen klappte bestens: „Jeder half jedem“, zeigten sich Achtelstetter und Müller begeistert. Nachdem die Feuerwehr die Lage auf dem Schiff erkundet und die Brandherde gelöscht
hatte, wurden die Verletzten vom Notarzt untersucht und auf die Boote der Rettungskräfte evakuiert.
Zufrieden waren die Übungsleiter auch mit der Zusammenarbeit zwischen der Einsatzleitung auf dem See und der Haupteinsatzleitung im Lindauer Hafen. Nicht ganz einfach war es hingegen für die kleineren Boote der Feuerwehr und der Wasserwacht, an dem Fahrgastschiff anzulegen, da die Gefahr besteht, bei
bereits leichtem Wellengang wegen der überstehenden Scheuerleiste unter das Schiff zu geraten.
Rund 100 Rettungskräfte und (sehr realistisch geschminkte) Statisten waren an der Seenotübung beteiligt. Auch der Polizeihubschrauber „Edelweiß“ wurde eingesetzt.
Gute Kooperation: Die einzelnen Gruppen haben bei der Seenotübung bestens zusammen gearbeitet.
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