Tauchgruppe Lindau (B)


12. Mai 2004

(Fotos nach dem Text!)

Übung mit der bayerischen Bereitschaftspolizei

Taucher üben Rettung aus der Luft

Polizeitaucher gibt es in Bayern nur bei der Bereitschaftspolizei. Sie sind hauptberuflich Polizeibeamte/innen, die neben ihrer eigentlichen polizeilichen Tätigkeit in einer Technischen Einsatzeinheit auch für Tauchereinsätze zur Verfügung stehen. Das Tauchen unter Einsatzbedingungen ist auch für den ausgebildeten und erfahrenen Polizeitaucher eine zumeist strapaziöse und oft gefährliche Tätigkeit. Nie weiß man, was einem bei einem Tauchgang unter Wasser alles passieren kann, denn vorwiegend sind die Tauchgewässer sehr trübe und man sieht oft die Hand vor den Augen nicht. Vor allem bei unbekannten Gewässern, starken Strömungen und größeren Wassertiefen ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Der Taucher muss sich dabei darauf verlassen können, dass der Signalmann an der Oberfläche die Gefahren erkennt und ihn aufmerksam und sicher führt.

Seit 1997 kommen die Männer der Bereitschaftspolizei Dachau -meist für eine Woche- nach Lindau zur Übung. Der Bodensee ist -nicht nur für die Polizeitaucher selbst ein optimales Gewässer, um das umfangreiche Reportuar der Bayerischen Bereitschaftspolizei zu erproben. Da bei vielen Einsätzen Motorboote, Kranfahrzeuge (zur Bergung von Kfz), Unterwasservideokamera u.ä. oft gleichzeitig bedient werden müssen, sind sehr häufig zusätzlich Spezialisten aus den Technischen Einsatzeinheiten für den reibungslosen Betrieb erforderlich. Auch aus diesem Grund hat sich schon sehr früh eine gemeinsame Zusammenarbeit zwischen den Polizeitauchern und dem THW Lindau (B) entwickelt. Das THW Lindau stellt seit Jahren sein Übungsboot zur Suche und zur Bergung im Bodensee zur Verfügung. Auch Tipps für lohnende Tauchstellen werden von den erfahrenen THW-Tauchern an die Polizeitaucher weitergegeben. Da der Bodensee ein internationales Gewässer ist, werden zum Teil auch die Uferbereiche von Österreich und der Schweiz vom Wasser aus angefahren. Die THW-Taucher wiederum profitieren vom immensen Erfahrungsschatz der Profis, wenn es um spezielle Tauchtechniken oder Ausrüstungen geht. So wurden von den Lindauern z.B. schon vor Jahren ein Suchschlitten zur Personensuche unter Wasser nachgebaut und erfolgreich eingesetzt.

Als „Highlight“ für die Taucher aus Lindau kann im Mai diesen Jahres die Ausbildung zum Luftretter betrachtet werden. Hier hatten je zwei Taucher vom THW und der Feuerwehr Lindau die Gelegenheit, das Retten von Personen in einem Gewässer (für Hochwasser und Notfalleinsätze) vom Hubschrauber aus zu erlernen. 30 Männer waren im Einsatz, Taucher und Bootsführer der Bereitschaftspolizei aus ganz Bayern probten mit den Lindauer Einsatzkräften den Ernstfall. Vor der Praxis stand wie immer erst die Theorie. Gelehrt wurde der Aufbau und die Organisation der Hubschrauberstaffel in Bayern (unter dem Rufnahmen „Edelweiß“ bekannt), Technische Grunddaten und Sonderausrüstungen des Hubschraubers EC 135 P1 mit deren Besatzungen, sowie die Standorte und Erreichbarkeit in Bayern.

Weiter ging es mit den technischen und personellen Anforderungen für das Erlernen der Wasserrettung vom Hubschrauber aus. Auswahl und Vorbereitung von Hubschrauberlandeplätzen, die Annäherung und das Absetzten vom Hubschrauber, sowie allgemeine Sicherheitsregeln. Auf die Theorie folgte die Praxis. Das Übungsgelände des THW Lindau in Sauters, bot die idealen Bedingungen um in aller Ruhe und Abgeschiedenheit die praktischen Handgriffe beim Absetzten von Tauchern und Flugrettern zu demonstrieren und zu proben. Nach der halbtätigen „trockenen“ Ausbildung folgte die praktische Übung im nassen Element.

Ohrenbetäubender Lärm kündigte ihn an. Als der Hubschrauber direkt auf der Liegewiese im Hafen Lindau-Zech landete, drehten ihm die Einsatzkräfte den Rücken zu. Weniger erfahrene Zuschauer kämpften plötzlich mit „frisch gemähtem“ Gras und Staub. Die Rotoren kannten kein erbarmen, die auch liefen, als die Taucher Platz nahmen. Der Hubschrauber nahmKurs auf den See, entdeckte das Opfer, sank und blieb in der Luft stehen. Der Retter machte sich bereit zum Sprung. Aus einer Höhe von ca. zwei Metern ließen sich die Taucher entweder rückwärts ins Wasser fallen oder machten einen großen Schritt von der Kufe des Hubschraubers. Diese Art des Absetzens von Tauchern dient der Sofortsuche nach vermissten Personen, bis weitere Kräfte mit den Booten herangeführt werden können. Nachdem die Taucher von den umliegenden Mehrzweckbooten der Bereitschaftspolizei wieder aufgenommen wurden, stand das Absetzten und Aufnehmen von Flugrettern auf dem Programm. Die Retter wurden an einem 50 Meter langen Seil mit einer Winde –die im Notfall vom Hubschrauber abgesprengt werden kann- zu der hilfsbedürftigen Person abgelassen. Die Rettungsschlinge wurde um den Verunfallten gelegt und gesichert. Nach einem Zeichen durch den Retter wurde die beiden entweder direkt an Bord des Hubschraubers gezogen und von dort zum Rettungsdienst an Land oder in das nächstgelegene Krankenhaus geflogen. Bei kurzen Strecken zum Ufer, blieb der Retter und der Verunfallten unter dem Hubschrauber in 10 bis 15 Meter Höhe hängen und wurde auf diese Art und Weise zum Ufer bebracht und dort wieder abgesetzt.

Nach dem Wiederauftanken am Flughafen in Friedrichshafen kam der zweite Teil der Übung. Das Absetzen und Aufnehmen einer Person vom fahrenden Schiff. Als Übungsobjekt stand einmal das Lindauer Polizeiboot „Hecht“ zur Verfügung und als zweites ein Mehrzweckboot der Bereitschaftspolizei Dachau.

In wieweit diese Art von Übungen unerlässlich sind, zeigen die vielen Hochwasser der letzten Jahre, wo es galt Personen von Hausdächern oder aus dem Wasser zu retten. Diese Bilder vom letzten Jahr in Magdeburg sind uns immer noch in Erinnerung geblieben. Auch das Einbeziehen von Rettungskräften vor Ort ist bedeutend, da bei Unglückfällen oder Not gerade sie als erstes vor Ort sind um zu helfen.

In Lindau jedenfalls ist wieder eine Lücke in der täglichen Arbeit der ehrenamtlichen Retter von THW und Feuerwehr, durch diese einmalige Gelegenheit der gemeinsamen Übung mit den Bereitschaftspolizeien aus Bayern und der Polizeihubschrauberstaffel Bayerns, geschlossen worden.

 


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