Einsatzbericht 2003

Regennasser Startpfiff am Hafen (aus "Lindauer Zeitung" vom 06.10.2003)
LINDAU - Kein Erbarmen hatte der Wettergott am gestrigen Sonntag mit den über 4000 Teilnehmern des 3-Länder- Marathons. Bei schüttendem Regen und Temperaturen um nur 5 Grad stellte der Lauf für viele eine ganz besondere Herausforderung dar.
Von unserer Mitarbeiterin Julia Drechsel

Es war schon ein interessantes Bild, das sich den Zuschauern gestern am Lindauer Seehafen bot: Hunderte von Athleten in engen langen Hosen, Regenjacken und Käppis auf dem Kopf liefen sich zur Musik am Hafen warm und erinnerten an das Treiben in einem Bienennest. Einige Mutige stellten sich dem nassen Wetter auch in kurzen Hosen und übergezogenen Mülltüten.

4100 Läufer aus 39 Nationen hatten sich für den Drei-Länder-Marathon gemeldet und erwarteten ungeduldig den Startschuss beziehungsweise Startpfiff durch Organisator Michael Brigaldini. In sechs Blöcke war der Startbereich am Seehafen eingeteilt worden und je nach Platzierung aus dem Lauf des vergangenen Jahres, durften die Sportler den Marathon in Angriff nehmen. Der Platz ganz vorne, am Bayrischen Hof gehörte aber auf jeden Fall 20 Eliteläufern mit den schnellsten Zeiten. Den Abschlussblock 6 bildeten die Walker.

21 Kilometer habe sie sich vorgenommen, erzählte eine Walkerin. Das schlechte Wetter? Das störe sie nicht, schließlich gäbe es gute Kleidung. Ein Läufer aus der Schweiz war regelrecht froh über die Kälte und Regen: "Wenigstens ist es nicht so heiß." Und welche Zeit hatte er sich für den Lauf vorgenommen? "Das ist mein erster Marathon, ich hoffe, dass ich ankomme."

Ein kleines Problem, wie mehrere Läufer betonten, waren die Laufschuhe. "Nach drei bis vier Kilometern sind die nass. Aber was will man machen? Ich lauf einfach weiter." Jeden Schuh zierte übrigens ein schwarzer Chip, der beim Start über eine Matte gezogen wird. Er ist für die Zwischenzählung während des Laufs verantwortlich und verhindert somit jegliches Schummeln.

Die Strecke, so sagte ein Verantwortlicher, sei gut gesichert, zirka 1000 Helfer in Lindau, Österreich und der Ostschweiz seien im Einsatz sowie das THW. Über dem Hafen zog auch ein Hubschrauber seine Kreise.

Zehn vor elf forderte der Moderator der Veranstaltung, Thomas Bergert, die Läufer dann auf, sich in ihre Startblöcke zu begeben und die Anspannung stieg. Der eine nahm noch mal einen letzten Schluck aus der Flasche, der andere zupfte noch mal seine Startnummer zu recht, aber keiner der 4100 Läufer stand jetzt noch still. Im Takt der Musik wurde getanzt und gehüpft, der letzte angespannte Muskel noch einmal gelockert, ein letztes Umarmen der Angehörigen. "Ich glaube, ich bin nervöser als er," wie eine Frau zugab. Auf die Frage, ob sie seinen Zieleinlauf im Bregenzer Casinostadion denn mitverfolgen werde, gab es nur eine Antwort: "Ja natürlich."

Der Regen prasselte auch zwei Minuten vor dem Start unverändert weiter, doch kaum einer der Athleten schien das noch zu bemerken. Der prüfende Blick auf die Armbanduhr war jetzt Pflicht, wollte doch jeder Läufer seine eigene Zeit unbedingt mitstoppen. Zwanzig Sekunden vor elf Uhr konnte man dann ein kleines Phänomen miterleben: Zahlreiche blaue Mülltüten und gelbe Säcke flogen in die Zuschauerreihen, sie hatten als Regenmantel ausgedient. Übers Mikrophon zählte Thomas Bergert die Sekunden runter, und Michael Brigaldino schickte die Läufer auf die Strecke. Unter dem Applaus und Jubel der dicht gedrängten Zuschauer bewegte sich die Masse noch recht langsam über die Promenade. Nach fünf Minuten war dann alles vorbei, auch die Walker hatten das Startareal verlassen.

Und jetzt hatten es auch die Zuschauer eilig, wollten doch die meisten von ihnen den Ziel-Einlauf in Bregenz miterleben um die tropfnassen Läufer feucht-fröhlich zu empfangen.

(Stand: 06.10.2003 00:36)