THW Lindau besucht Pfändertunnelbaustelle 

 

Lochau, 07.10.2009

 

Seit Oktober 2007 frisst sich die Tunnelvortriebsmaschine kontinuierlich durch das Gestein im Pfänder. Bis heute wurde eine Strecke über 5.600 m geschafft. Trotz Verspätung -die Tunnelbauarbeiten in Lochau haben sich wegen des unerwartet schwierigen Gesteins verzögert- wird der Durchbruch im November diesen Jahres erwartet. Im Durchschnitt arbeitet sich die Maschine täglich rund 19 Meter vorwärts.

 

Das THW Lindau besuchte mit 16 Helfern/innen die Tunnelbauarbeiten am Pfänder. Zu beginn der Führung wurden die THWler über die Besonderheiten beim Tunnelbau der ersten Röhre (Betriebsbeginn im Dezember 1980) informiert. Es wurde erklärt, dass die 1. Röhre des Pfändertunnels an der Kapazitätsgrenze angelangt ist. Ein reibungsloser Verkehrsablauf kann nur durch den Bau einer 2. Röhre, und der damit verbundenen Trennung des Richtungsverkehrs und der damit einhergehenden Erhöhung der Sicherheit, gewährleistet werden. Zum ersten mal wird ein Autobahntunnel in Österreich mit einer Tunnelbohrmaschine (TBM) aufgefahren. Die TBM ist eine Schildmaschine mit Tubbingausbau. Ihr Durchmesser beträgt 11,92 m; die Gesamtlänge der Vortriebsmaschine beträgt 180 m mit einer Leistung von 4.800 kWh. Nach den theoretischen Einführungen über die Baustelleneinrichtung, Herstellung der Tunnelröhre mit der TBM, Herstellung von Querschlägen, Fahrbahnbelag, Tunnelwände, Drainagen, Abraum, Lüftungssysteme, und vieles mehr, ging es mit zwei Fahrzeugen in die Tunnelröhre hinein. Der Bodenbelag -derzeit verdichteter Schotter, der aus dem Abraum des Pfändertunnels wiederverwertet wird- ist sehr staubig. Der ganze Tunnel mit all´ seinen Maschinen und Fahrzeugen ist einheitlich mit Staub in gleicher Farbe überzogen. Entlang der Decke läuft ein Förderband für den Abraum und ein riesiger Schlauch der den Tunnel mit Luft versorgt. Je näher man der gewaltigen Tunnelbohrmaschine näher kommt, desto lauter wird es. Auch die Temperaturen steigen kontinuierlich an.

 

Die TBM wird wie ein Schiff in Decks unterteilt. Der Abraum bewegt sich über das Oberdeck nach hinten zum Förderband, die Tübbinge (das sind die Betonschalen mit denen der Tunnel von innen ausgekleidet wird) durchs Unterdeck nach vorne. Auf dem Mitteldeck laufen die Versorgungsleitungen für Strom, Kühlung, Wasser und Luft. Um bis zum Bohrkopf zu gelangen, muss man einige Treppen hinauf und wieder hinuntersteigen.

 

Endlich am Bohrkopf angekommen, fallen einem zuerst die gewaltigen, hydraulischen Schubzylinder auf, mit der sich die TBM an den bereits verlegten Tübbingen abstützt und nach vorne bewegt. Die zwölf Meter große Bohrscheibe dreht sich mit ohrenbetäubenden Krachen und frisst sich Meter für Meter durch das Gestein. In drei Schichten wird gearbeitet. Zwei Schichten sind beim Bohren und Tübbingssetzen, eine Schicht ist für die Wartung der Tunnelbohrmaschine zuständig. In einer Schicht arbeiten 14 Mann an der Maschine. Immer nach ca. zwei Metern Vortrieb, wird der Bohrkopf abgestellt und die jeweils ca. sechs Tonnen schweren Tübbinge in das Rohr eingesetzt. Dazu werden die Betonplatten mit einer Vakuumplatte angesaugt und zentimetergenau an den vorbestimmten Platz gesetzt. Sind alle fünf Platten (jeweils zwei Stück auf der linken und rechten Seite sowie eine an der Decke) platziert, wird am Boden noch der Schlussstein eingesetzt. Anschließend beginnt der Bohrvorgang aufs neue. Ein gewaltiges Schauspiel!

 

Die Querverbindungen zur bestehenden Röhre und die Lüftungsschächte werden noch nach traditioneller Bergbaumethode gegraben und gesprengt. Da das Sprengen auch eine Aufgabe des THW´s ist, durften die THWler noch bei einer Sprengung anwesend sein. Andere Besucher müssen die Tunnelröhre verlassen. Vor der Sprengung , konnten die Helfer/innen die Herstellung von Sprenglöchern und das Beladen mit dem Explosivstoff bestaunen. Als der Verkehr in der benachbarten Röhre angehalten und die vorbereitenden Signaltöne für die Sprengung ertönten, krachte es auch schon mit einem ohrenbetäubenden Knall und eine gigantische Staubwolke breitete sich in der Tunnelröhre aus.

 

Nach knapp drei Stunden Besichtigungstour, kamen alle THWler wieder wohlbehalten an der frischen Luft außerhalb der Pfändertunnelröhre an. Dass man den Abend bei einer kleinen Brotzeit in einem Biergarten in Hörbranz ausklingen ließ, versteht sich von selbst. Hier wurde noch eifrig diskutiert, die Eindrücke der Baustelle aufbereitet und alle waren sich einig: wenn der Tunnel im Jahre 2012 erstmal für den Verkehr freigegeben wird, werden wir sicher mit diesen Gedanken über den erlebnisreichen Abend auf der Baustelle durchfahren.

 
Bilder oben: Peter Vosseler (THW Lindau)
 
Quelle Bilder unten: http://www.vignette.at/

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