Einige ältere Leute nehmen als erste Platz an den Bänken und Tischen, um die Kochkünste der „engagierten Basis des THW“ in Anspruch zu nehmen. Sie haben sich für die „ganz kurze“ Alternativstrecke von Oberreitnau auf den Sulzenberg entschieden. „Das war schon anstrengend genug“, grinst eine Frau spitzbübisch. Ganz anders die junge Familie, deren Nachwuchs sich – frisch geschminkt von Sandra und Anabel vom Jugendrotkreuz – gerade auf der Hüpfburg austobt. „Wir wollten eigentlich die Acht-Kilometer-Strecke laufen“, sagt die Mutter. Aus Angst, im Regen zu landen, hat sich die Familie lieber fürs Fahrrad „und den direkten Weg“ entschieden. Ein kompletter Verzicht kam jedoch nicht in Frage: „Die Kinder haben Bilder von der Hüpfburg gesehen und wollten unbedingt hin.“
Dagegen ist die zwölfjährige Kerstin Höhn ein richtiger Wandertag-Fan mit bereits mehrjähriger Erfahrung. „Sie hat mich schon um sechs Uhr geweckt“, erzählt ihr Vater lächelnd. Richtig stolz ist Kerstin auf ihre Zeit: eine Stunde und 15 Minuten. Es war schließlich sie, die das Tempo vorgegeben hatte. Ganz auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zugeschnitten hat auch die Familie Börner ihren Wandertag – auch wenn das bedeutete, dass sich die Familie aufteilen musste. Während Vater Thomas Börner mit seinem Sohn Jonas (7) die 15-Kilometer Runde gemütlicher anging, eilte Großvater Rudolf Börner mit dem älteren Fabian auf derselben Strecke voraus, um zu gewährleisten, dass sein Enkel pünktlich seinen Platz beim Musikverein Aeschach einnehmen konnte. Als dann auch der fünfjährige David kurz nach sieben Uhr morgens mitwandern wollte, übernahm es seine Großmutter Dagmar, mit ihm die Acht-Kilometer Strecke zu laufen. Vor dem Rastplatz trafen Dagmar Börner und David wieder auf den Rest der Familie: Petra Börner und ihr Jüngstes im Kinderwagen. Per Handy haben sie darauf herausgefunden, wo sich die restliche Familie befindet ...
Ein paar Schritte weiter sitzen zwei Männer vor dem obligatorischen Erbseneintopf des THW. Schmeckt das Gericht wirklich so gut? „Selber probieren“, kontert Adolf Geßler. Manfred Kern wird deutlicher: „Der Erbseneintopf ist der einzige Grund, warum ich wandern gehe.“ Geßler hat bereits 15 Kilometer Radfahren hinter sich: „Das ging ganz schön bergauf und bergab.“ Außer Puste ist er trotzdem nicht. „Ich radle viel.“ Anneliese Herold und ihr Sohn Michael, die sich gerade bei Claudia Bihl und Nathalie Carcia-Eiroa von Prolindau ihre Anstecknadeln abholen, sind dagegen von der Radstrecke völlig begeistert. „Ich habe gar nicht gewusst, dass wir im Hinterland so schöne und tolle Wege haben“, schwärmt die Mutter. Begeistert waren beide von der guten Beschilderung. Nur einmal mussten sie „wie Pfadfinder“ rätseln, wie es weitergeht. „Aber das war toll. So richtig aufregend und spannend.“
Nebenan ist Nervenkitzel ganz anderer Art angesagt. Mädchen und Jungs drängen sich gleichermaßen vor der Kletterwand, die das THW aus Anlass seines 50-Jährigen Jubiläums aufgestellt hat. Erstmals stellte das THW hier auch seine 151-seitige reich bebilderte Jubiläumschronik vor, die belegt, „wie eng die Geschichte Lindaus mit der des THW verbunden ist“, sagt Vorstand Andreas Bucher.