Übungen / Ausbildungen

Positives Fazit der internationalen Ölwehrübung
ROMANSHORN (kapo) Nach einer gross angelegten internationalen Ölwehrübung auf dem Bodensee vor Romanshorn mit rund 250 Sicherheitskräften zogen die Verantwortlichen am Samstagmittag eine positive Bilanz.

Die Übung „Glockenschlag“ ging davon aus, dass am Samstagmorgen kurz vor sechs Uhr vor Romanshorn eine Autofähre mit einem Passagierschiff zusammengestossen war. Dieses sank nach der Kollision, auf der Wasseroberfläche bildete sich ein Ölteppich. Während dem Ersteinsatz und der Personenrettung der Seepolizei Thurgau wurde internationaler Alarm in der Schweiz, Deutschland und Österreich ausgegeben. Rund 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr- und Chemiewehren sowie der Polizeikräfte setzten erfolgreich alle Hebel in Bewegung, um ein Umweltdesaster auf dem Bodensee zu verhindern.

Zufrieden mit dem Übungsverlauf zeigte sich am Mittag der Bregenzer Edmund Kräutler, Vorsitzender des Fachbereiches „Schadensabwehr“ der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee: „Es gelang den Einsatzkräften, innert kürzester Zeit eine internationale Einsatzleitung aufzubauen, die in klar zugewiesenen Bereichen gute Arbeit leistete.“

Übungsleiter Urs Brändle, kantonaler Feuerwehrinspektor Thurgau, lobte den fachgerechten und koordinierten Einsatz der Sicherheitskräfte („Das war Profi-Arbeit“), ortete aber in der Alarmierungsübermittlung teilweise noch Verbesserungsmöglichkeiten. Dieser Aspekt werde im Rahmen einer späteren Gesamtwürdigung der Übung vertieft analysiert.

Eingebunden in die Übung waren sämtliche zehn Stützpunktwehren am Bodensee. Zum Einsatz kamen Einsatzleitfahrzeuge und -boote wie Löschboote, Mehrzweckboote und selbstfahrende Ölaufnahmegeräte sowie Rüstfahrzeuge. Die Wehren legten Ölsperren sowie Transportleitungen zum Abtransport des Öls zu einem Umschlagplatz an Land. Dort würde das Öl-Wassergemisch im Ernstfall in Stapelbecken zwischengelagert, getrennt und entsorgt.


AUSFÜHRLICHER HINTERGRUNDBERICHT

Im Einzugsgebiet des Bodensees sind täglich Tausende Tonnen Wasser gefährdende Stoffe wie Mineralöl-Produkte und Chemikalien unterwegs – auf Strassen und Schienen. Ein Unfall könnte sich verheerend auswirken auf den Bodensee. Alle zehn Jahre üben deshalb die Feuerwehren rund um den See gemeinsam den Ernstfall. Der Kanton Thurgau liess am Samstag vor Romanshorn fiktiv ein Schiff sinken.

Kurz vor sechs Uhr stiess ein Kilometer vor der Romanshorner Hafeneinfahrt ein Fahrgastschiff mit der Autofähre zusammen. Das Fahrgastschiff sank, und auf der Wasseroberfläche bildete sich ein grosser Ölteppich. Prekär dabei: In unmittelbarer Nähe zum Hafen befindet sich das Naturschutzgebiet Luxburg, ein wertvoller Flachuferbereich und Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten.

Nachdem die Seepolizei Thurgau die ersten Massnahmen getroffen hatte, löste die Einsatzleitung Internationalen Alarm aus. Aus Baden-Württemberg setzten die Feuerwehren Friedrichshafen, Überlingen, Radolfzell und Konstanz über den See, aus Bayern die Freiwillige Feuerwehr Lindau und THW Lindau und aus Vorarlberg die Ortsfeuerwehren Bregenz-Stadt und Hard. Auf dem Landweg eilten der Chemiewehrstützpunkt Rorschach herbei, der Kantonale Ölwehrstützpunkt der Seepolizei Thurgau sowie die Stützpunktfeuerwehren Romanshorn, Kreuzlingen und Steckborn. Mehrere Hundert Einsatzkräfte begannen sofort, Ölsperren zu errichten und mit ihren Gerätschaften die Umwelt gefährdenden Stoffe zu binden und abzusaugen. Am Mittag war die fiktive Gefahr gebannt.

So reibungslos in Romanshorn der „Ölteppich“ bekämpft worden ist, so schwierige Bedingungen stellen sich allen internationalen Einsatzkräften im Ernstfall. Nach fixen Abmachungen müssen die Meldewege über Grenzen hinweg eingehalten werden, und in jeder Phase gilt es, sich streng an die Verantwortlichkeiten zu halten. Diese sind klar geregelt: Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hat Vereinbarungen getroffen, wie im Schadensfall zu reagieren ist. Alle involvierten Kräfte stimmen sich regelmässig ab, nicht nur zur Organisation von Ernstfällen, sondern auch zu technischen Einsatzmitteln.

Zehn Feuerwehrstützpunkte rund um den See sind heute ausgerüstet mit Schiffen, Fahrzeugen und technischen Mitteln zur Schadensbekämpfung: Lindau, Friedrichshafen, Überlingen, Radolfzell , Steckborn, Konstanz, Kreuzlingen, Romanshorn, Rorschach und Bregenz. Im Ernstfall kann auf Schwimmsperren mit einer Gesamtlänge von rund 10'000 Metern, auf rund 30 Einsatzschiffe sowie auf rund 600 Einsatzkräfte zurückgegriffen werden. Ein eigenes Bündelfunksystem sichert die Kommunikation. Laufende Schulungen und Übungen stellten die Einsatzbereitschaft sicher. Internationale Übungen wie in Romanshorn finden allerdings nur alle zehn Jahre statt.

Die Nagelprobe haben die Einsatzkonzepte der IGKB indes bereits zweimal bestanden. 1986 floss in Chur eine grosse Menge Heizöl in den Rhein. Und 1988, nach einem schweren Bahnunfall in Au im Schweizer Rheintal, drohten fünf Tankwagen mit Kerosin auszulaufen. In beiden Fällen trafen die internationalen Einsatzkräfte Massnahmen, um den Bodensee und seine Funktion als Trinkwasserspeicher zu schützen.

Die IGKB wurde 1959 gegründet. Mit einem Staatsvertrag haben sich die Bodensee-Anrainerländer Baden-Württemberg, Bayern, Österreich und die Schweiz damals verpflichtet, die Wasserqualität des Bodensees zu verbessern sowie den See vor Verunreinigungen zu schützen. Wie man sieht, mit Erfolg!

Bericht von: Internationale Gewässerschutzkommission


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Bilder: W. Scholz ZFü THW Lindau (B)