Einsatzbericht 2013

Blaue Engel sind aus Deggendorf zurück (Quelle: SZON vom 21.06.2013)
Oertel und Sander vom Lindauer THW helfen im Überschwemmungsgebiet
Dirk Sander (links) und Markus Oertel vom THW Lindau vor einem ihrer beiden Einsatzfahrzeuge im Hochwassergebiet um Deggendorf
Dirk Sander (links) und Markus Oertel vom THW Lindau vor einem ihrer beiden Einsatzfahrzeuge im Hochwassergebiet um Deggendorf (Foto: privat)

Von Christian Flemming

Lindau Nach fünf Tagen im Katastrophengebiet Deggendorf sind die beiden Lindauer Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW), Markus Oertel und Dirk Sander, wieder wohlbehalten nach Lindau zurückgekehrt. Die zwei, beide einsatzerfahrene Kraftfahrer, waren die einzigen, die aus Lindau angefordert wurden.

Oertel und Sander waren sich ziemlich sicher, als Fahrer geholt zu werden. Denn an Fahrern, die mit geländegängigen schweren Fahrzeugen auch im Wasser umgehen konnten, mangelte es im Katastrophengebiet, zudem ist Sander Kranfahrer. Zusammen mit Kameraden aus Memmingen sollten die Lindauer die Logistikeinheit aus Krumbach unterstützen. Logistik bedeutete in diesem Fall, dass die Einsatzkräfte direkt vor Ort mit allem versorgt werden mussten, was anfiel. „Von der kleinsten Schraube bis zu speziellen großen Filtern, bis zu 4000 Liter Treibstoff und – heiß begehrt – Mückenschutz und Hygieneartikel“, beschreiben die beiden die Palette der Güter, die sie auslieferten,. Allein wegen letzteren wurden Oertel, Sander und ihre Kollegen bald „Blaue Engel“ genannt.

All die Einsatzstellen rund um das überflutete Fischerdorf, das durch die Berichterstattung im Fernsehen traurige Berühmtheit erlangte, waren zum Teil schwer erreichbar. Mit ihren Einsatzfahrzeugen, ein LKW mit Kran und ein Unimog, sowie mit ihrer Erfahrung konnten die beiden jedoch bis zu einer Wassertiefe von 1,20 Meter fahren. „Die Einsatzkräfte vor Ort waren nicht zu beneiden“, erzählen die beiden Lindauer. Allein der markante Geruch von Heizöl, fauligem Wasser und all dem, was darin trieb, von Unrat bis Tierkadavern, war überall dominant.

Die Lindauer Fahrer fuhren täglich von fünf Uhr morgens bis offiziell zwei Uhr mittags, oftmals aber ein, zwei Stunden länger. „Und wenn wir damit fertig waren, halfen wir halt anderweitig mit“, berichten sie. „Da kannst du nicht einfach die Füße hochlegen“. So kamen sie auf zwei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht. Darum werden die Hilfskräfte nach fünf Tagen Einsatz ausgetauscht. Neben den Lieferungen übernahmen die beiden Helfer auch größere Transportaufgaben. Dirk Sander transportierte dank des Ladekrans massive Schlauchbrücken zu den mobilen Einsatzstellen, um ein Überfahren der großen Schläuche mit Schwerfahrzeugen zu ermöglichen.

Beeindruckend für sie war jeden Morgen, wenn sie ins Katastrophengebiet fuhren, dass Unmengen freiwilliger Helfer dorthin zu Fuß unterwegs waren. Diese durften nicht mit in ihre Fahrzeuge rein. Zum andern begeisterte sie die Kameradschaft unter allen Hilfsorganisationen.

Von Tag zu Tag konnte der Wasserspiegel weiter abgesenkt werden und so weitere Ortsteile erreicht werden. Vom kompletten Auspumpen der Keller sahen die Einsatzkräfte schnell ab, die Gefahr, dass ein Haus aufschwimmt wegen des hohen Grundwasserpegels war zu groß. In diesen Bereichen waren die Ölwehren im Schwereinsatz. Die Feuerwehrler pumpten täglich 250 Kubikmeter Wasser-Ölgemisch aus den Kellern, die das THW im industriellen Maßstab mit Ölabscheideranlagen aufbereitete. „Bei den extremen Außentemperaturen von 30 Grad und mehr in Schutzkleidung und Atemschutz mussten die Leute alle 15 Minuten ausgetauscht werden“, berichten die beiden THW-Männer beeindruckt. Die Unmengen von Schutt und Müll werden von den Bergungsgruppen des THW und der Polizei verladen und abtransportiert.

(Erschienen: 21.06.2013 18:55)

                   


14. Juni 2013

THW Spezialisten fahren in das Hochwassergebiet "Deggendorf"

Passend, dem Anlass entsprechend, ist der Himmel Wolkenbehangen und es regnet wie aus Kübeln, während sich zwei THW Helfer vom Ortsverband (OV) Lindau für den Marsch in das Hochwassergebiet nach Deggendorf vorbereiten.

Schon zum zweiten Mal in dieser Woche traf sich der Leitungs- und Koordinierungsstab (LuK) des Ortverbandes Lindau, um Helfer für bevorstehende Einsätze in eines der Hochwassergebiete abzurufen.

Am Freitag, 14.06.2013 trafen gleich zwei Anfragen parallel ein. Eine Anfrage kam vom Landratsamt Lindau (B) und beinhaltete die Anfrage zur Entsendung des "Geräteanhängers-Öl" (GA-OEL) mit einem 50.000 Liter sowie zwei je 10.000 Liter fassende Auffangbehälter mit Separationssystem. Als Zugfahrzeug wurde der "Mehrzweckkraftwagen" (MzKW) vorgesehen. Der Luk-OV hatte sich am Spätnachmittag in der Wache des THW Lindau aufgebaut um die eintreffenden Informationen zu sammeln und auszuwerten. Einzelne Fachhelfer wurden telefonisch in Alarmbereitschaft versetzt. Ein Abrücken der Mannschaft in das Schadensgebiet ist für Samstag oder Sonntag zu erwarten.

Der zweite Einsatzauftrag kam direkt vom THW Landesverband Bayern (LV-BY). Zwei Kraftfahrer sollen vom THW Lindau nach Deggendorf in Marsch gesetzt werden, um dort die Logistiggruppe des THW Ortsverbands Memmingen zu unterstützen, bzw. abzulösen. Bereits während der "Telefonaktion" wurde der Einsatzauftrag per E-Mail und Telefax bestätigt. Für diesen Einsatz wurden zwei echte THW-Spezialisten abgerufen. Dirk Sander ist langjähriger Kraftfahrerausbilder im Ortsverband Lindau und Markus Oertel besitzt - als Berufskraftfahrer - sehr viel Fahrpraxis auf den unterschiedlichsten Kraftfahrzeugen, die man sich vorstellen kann. Auch beim Oderhochwasser 2002 waren die beiden Spezialisten bereits überörtlich im Einsatz.

Auf dem Weg zum Schadensgebiet wird im THW Ortsverband Memmingen in ein anderes Fahrzeug umgestiegen und mit drei weiteren Kraftfahrern aus Memmingen nach Degendorf versetzt. Der Einsatz für die beiden Lindauer THWler ist erstmal bis Mittwoch, 19.06.2013 vorgesehen.

Bei weiteren Neuigkeiten werden wir wieder auf unseren Seiten wieder berichten.

links: Dirk Sander, rechts: Markus Oertel