Einsatzbericht 2003

Gefahrguteinsatz

Großeinsatz nach Unfall eines Gefahrguttransporters (aus Lindauer Zeitung - Dienstag, 05. August 2003 - Nr. 178/B6245).

WANGEN/LINDAU (lz/rue) - Mit lebensgefährlichen Verletzungen musste der Fahrer eines Gefahrgutzugs nach einem Unfall am gestrigen Montag gegen 8.10 Uhr von der Autobahn in eine Klinik geflogen werden. Der Tank des Gefahrguttransporters, der rund 18  000 Liter einer Eisen-3-Chlorid-Lösung geladen hatte, blieb zum Glück unbeschädigt. Die ätzende Flüssigkeit musste aber von einem Großaufgebot der Feuerwehr in ein Spezialfahrzeug umgepumpt werden. Die Autobahn war bis in die Abendstunden teils halbseitig, teils sogar in beide Richtungen blockiert.

Der 34-Jährige war mit seinem Sattelzug in Richtung Süden unterwegs. Wie die Polizei berichtet, geriet er zwischen der Behelfsausfahrt Neuravensburg und der Ausfahrt Weißensberg leicht auf die Überholspur. Beim Gegenlenken übersteuerte er offensichtlich den voll beladenen 30-Tonner und geriet rechts auf das Fahrbahnbankett. Als er den Zug zurückreißen wollte, verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug. Er fuhr über beide Fahrstreifen und prallte gegen die Mittelschutzplanke. Dort kippte der Zug um und stürzte teilweise auf die Überholspur der Gegenfahrbahn.

Der Fahrer wurde in seinem Führerhaus eingeklemmt. Er erlitt schwerste Verletzungen und musste von der Feuerwehr befreit werden. Der Tank mit 18  000 Litern Eisen-3-Chlorid-Lösung überstand den Unfall ohne Leck. Die Lösung wird überwiegend in Kläranlagen zur Wasseraufbereitung eingesetzt.

Die Autobahn in Richtung Norden musste komplett gesperrt werden. In Richtung Süden konnte der Verkehr zunächst einspurig an der Unfallstelle vorbeigeführt werden. Erst als die Flüssigkeit ab etwa 13 Uhr in ein eigens aus Donauwörth herbei gerufenes Spezialfahrzeug umgepumpt wurde, musste auch diese Strecke vollständig gesperrt werden. Auf der Autobahn und den Umleitungsstrecken kam es zu erheblichen Behinderungen.

Eine größere Gefahr für die Umwelt bestand nach Angaben der Polizei nicht. Vorsorgliche Radiodurchsagen, dass Fenster und Türen geschlossen zu halten seien, konnten rasch zurückgenommen werden, nachdem bekannt war, um welchen Stoff es sich handelte. Allerdings: "Wenn da etwas ausgelaufen wäre, dann wäre was los gewesen", beschrieb Kreisbrandrat Friedhold Schneider die Gefahr.

Rund zehn Stunden dauerte der Einsatz eines Großaufgebots von Rettungskräften: Neben dem Roten Kreuz waren etwa 150 Feuerwehrmänner aus Lindau, Wangen, Weißensberg und die Gefahrgutspezialisten aus Weiler im Einsatz. Für die Wehrleute, die mit dieser Arbeit beschäftigt waren, seien "größtmögliche Vorsichtsmaßnahmen" getroffen worden, so Schneider. Die Säure war so aggressiv, dass sie das Metall einer Pumpe bereits nach einer halben Stunde zerfressen hatte, berichtete Lindaus Feuerwehrkommandant Robert Kainz. Mit einer zweiten Pumpe wurde dann weiter gearbeitet. Die Trupps lösten einander ab und wurden jeweils an einem Dekontaminationsplatz gereinigt. Extreme Schwierigkeiten bereiteten den Einsatzkräften zudem die hohen Temperaturen.

Die Bergung zog sich bis in die frühen Abendstunden hin. Bis auf eine Restmenge war der Tank gegen 18 Uhr leer gepumpt. Zu seiner Bergung waren dann zwei Autokranwagen einer Spezialfirma eingesetzt. Anschließend mussten rund 100 Meter Mittelschutzplanken erneuert werden. Die Polizei hoffte gestern im Vorfeld dieser Arbeiten, dass zumindest während dieser Zeit ein Fahrstreifen in jede Richtung wieder freigegeben werden kann. Der Sachschaden am Gefahrgutzug wird auf mindestens 100  000 Euro geschätzt.