Einsatzbericht 2016

Fast ein Drittel der Flüchtlinge sind Kinder
(Quelle: Lindauer Zeitung vom 15.01.2016)

Erstmals nimmt das Landratsamt die Notfall-Erstaufnahme Sauters in Betrieb
Von Dirk Augustin 15. January 2016

Lindau - (dik) - Mit so vielen Kindern hatten sie nicht gerechnet: Fast ein Drittel der 105 Flüchtlinge, die am Donnerstagnachmittag zur Erstaufnahme nach Oberreitnau gekommen sind, sind Kinder und Jugendliche, darunter sogar sechs Säuglinge. Dennoch lief die Ankunft schnell und gelassen ab.

Viel hat sich nicht geändert seit dem Beginn der großen Flüchtingszahlen im Sommer. Noch immer erhält Landrat Elmar Stegmann sehr kurzfristig Hinweise auf den Ankunftstag und dann einen Anruf, dass die Busse jetzt auf dem Weg nach Lindau sind. Gegen 14.30 Uhr fuhren am Donnerstag nacheinander zwei Busse vor das Freizeitzentrum Oberreitnau, um Menschen zu bringen, die an den vergangenen Tagen nach Deutschland gekommen sind.

Fast 80 Helfer aus dem Landratsamt, von Rotem Kreuz, THW und der Feuerwehr sowie 13 Dolmetscher wissen inzwischen schon genau, was zu tun ist. Immerhin haben sie das alles im Herbst in Lindenberg schon zweimal erlebt. Anders ist diesmal aber der große Anteil an Kindern, von denen die meisten in Großfamilien ankommen. Nur drei Jugendliche sind ohne ihre Familie im Bus.

"Die sind schlechter beieinand als beim letzten Mal", beobachtet Landrat Elmar Stegmann und berichtet, dass in den Bussen vor allem Menschen aus Afghanistan sitzen. "Wenn wir Windeln brauchen, gehen wir da vorne in den Markt", ruft ein Rotkreuzhelfer angesichts der sechs Säuglinge. Doch das ist gar nicht nötig, weil das Landratsamt alles in ausreichender Menge vorrätig hat.

Eine Frau sitzt im Rollstuhl

Die Helfer haben sowieso zuerst damit zu tun, einer älteren Frau, die offensichtlich in Begleitung ihres Sohnes ist, aus dem Bus und in ihren Rollstuhl zu helfen, der im Gepäckfach liegt. Er sieht aber nicht so aus, als hätte sie damit schon den ganzen Fluchtweg hinter sich gebracht.

Insgesamt sind in den Bussen 48 Männer, 24 Frauen, 27 Kinder und Jugendliche sowie sechs Säuglinge. Entgegen landläufiger Meinung sind übrigens nur elf allein reisende Männer dabei, alle anderen gehören zu Großfamilien.

Bevor sie im Freizeitzentrum etwas zum Essen bekommen, erhält jeder ein weißes Armband mit einer Nummer. Das wird später durch andere Farben getauscht, damit die Helfer jederzeit sehen können, wer schon beim Arzt und bei der Registrierung war. Erst wer das durchlaufen hat, den bringt das Rote Kreuz in Kleinbussen nach Sauters. Dort erhält jeder eine Tüte mit Hygieneartikeln und Bettwäsche, dann zeigen die Helfer die Schlafplätze. zu guter Letzt stehen Abendessen sowie eine Instruktion über sanitäre Anlagen und Regeln im Haus auf dem Plan. Am Freitagmorgen werden sie nach dem Frühstück Kleidung erhalten, wobei das Rote Kreuz aus der Sammlung vom Herbst noch mehr als ausreichend warme Kleidung hat.

Manche wollen gleich wieder weg

Während die meisten Flüchtlinge sich in Sauters nur noch ausruhen wollen, weigern sich andere, das Haus überhaupt zu betreten. Denn sie sind bereits in Kontakt mit Familienangehörigen, die auf dem Weg sind, um sie abzuholen. Das sehen die Behörden nicht gerne, es ist aber nicht verboten, somit lässt man die Familien weiterziehen. Die anderen werden - von einem Sicherheitsdienst rund um die Uhr bewacht - rund eine Woche in Sauters warten, bis sie auf die Unterkünfte verteilt sind, in denen sie auf das weitere Asylverfahren warten. Wer von ihnen dauerhaft in Lindau bleibt, das weiß derzeit noch niemand.

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Sehr viele Kinder und sogar Säuglinge sind unter den Flüchtlingen, die am Donnerstag zur Erstaufnahme nach Lindau gekommen sind.  Fotos (3): dik
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Unter den Flüchtlingen war auch eine ältere Frau, die auf den Rollstuhl angewiesen ist.
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In Sauters angekommen, wollten manche Familien gleich weiter zu Verwandten.
 



Quelle Gruppenbilder: Büro des Landrats