Einsatzbericht 2015

Helfer bereiten Kreis-Turnhalle vor (aus "Lindauer Zeitung" vom 21.11.2015)

     

80 Ehrenamtliche ziehen Messewände ein, stellen Betten und Spinde auf und ziehen Kabel
Landrat Elmar Stegmann und die zuständige Juristin Christine Münzberg zeigen eines der durch Messewände abgetrennten Zimmer für
Landrat Elmar Stegmann und die zuständige Juristin Christine Münzberg zeigen eines der durch Messewände abgetrennten Zimmer für Flüchtlinge in der Kreisturnhalle.
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Lindau dik Anfang Dezember braucht das Landratsamt die Landkreis-Turnhalle in Lindau, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Rund 80 ehrenamtliche Helfer von Feuerwehr und THW sowie einige Firmen sind in diesen Tagen dabei, die Halle für die Flüchtlinge vorzubereiten. Landrat Elmar Stegmann und Christine Münzberg, zuständige Juristin im Landratsamt, haben die Halle am Donnerstagabend der Presse vorgestellt.

Die 74 Stockbetten sind bereits aufgestellt, die 22 Zimmer bekommen noch Spinde, in denen die Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern von der kommenden Woche an ihre Habseligkeiten unterbringen. Helfer der Feuerwehren aus Lindau und den Nachbargemeinden packen am Donnerstag die Metallschränke aus und verteilen sie in den Zimmern.

Danach kommen noch Stühle und Tische in jedes Zimmer. Sechs bis acht Menschen sollen in den Zimmern zusammenleben. Das wird nicht einfach, denn weil die Messewände nicht bis zur Hallendecke reichen, ist jedes Geräusch in der ganzen Halle zu hören. Münzberg erläutert, dass ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr in und bei der Halle aufpasst. Weil die Menschen in den Abteilen nicht selbst kochen können, wird sie ein Cateringunternehmen dreimal täglich zu festen Zeiten mit Essen versorgen.

Noch verlegt eine Fachfirma Stromkabel, denn jedes Zimmer soll eine Lampe bekommen und eine zusätzliche Steckdose. Aufenthaltsraum, Essbereich, Sanitärräume und ein Raum, in dem Waschmaschinen und Trockner aufgestellt werden, fehlen noch. Aber bis in einer Woche soll alles fertig sein. Denn Stegmann rechnet damit, dass die bestehenden Wohnungen schon Anfang Dezember allesamt belegt sind. Danach sollen in der Turnhalle etwa 120 Menschen unterkommen.

Deshalb stellt der Landkreis dem staatlichen Landratsamt diese Halle. Laut Stegmann sei der Ausfall für Schulen und Vereine hier am besten zu verkraften, weil es in der Nähe drei weitere Hallen gibt. Dankbar ist er allen Betroffenen, dass sie zusammenrücken und gemeinsam schnell Lösungen gefunden haben. Wie lange das nötig sein wird, dazu möchte Stegmann nichts sagen. Denn die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sei in den vergangenen sechs Woche auf das doppelte gestiegen. Und die heftigen Bombardements von Frankreich, Russland und anderen in Syrien trage sicher dazu bei, dass mehr Menschen dort ihre Heimat verlassen wollen.

Stegmann hält am Konzept fest

Der Landrat räumt ein, dass angesichts dieser Zahlen auch die Turnhalle in etwa drei Wochen voll sein wird. Doch danach stehe die Unterkunft in Lindenberg-Goßholz zur Verfügung, die in Bau ist. Und danach werde er möglicherweise erstmals die Halle einer Gemeinde beschlagnahmen müssen. Im Visier hat er die Iberghalle in Maierhöfen, die einzige Kreisgemeinde, in der bisher kein Flüchtling lebt. Vielleicht finde Bürgermeister Martin Schwarz aber vorher doch noch etwas anderes, sagt Stegmann: „Der Bürgermeister hat, glaube ich, inzwischen den Ernst der Lage erkannt ...“

Denn grundsätzlich hält Stegmann am Konzept der dezentralen Unterbringung fest. Das vermeide zwischenmenschliche Probleme, wie sie in einer Großunterkunft drohen, in der sich die Menschen verschiedener Kulturen nicht aus dem Weg gehen können. Umso mehr hofft Stegmann, dass sich auch für die Turnhalle ein Helferkreis bildet.