Blaulichttag

10 000 genießen Sonne und Spektakel in Lindau
(aus: Lindauer Zeitung vom 21.04.2008)

LINDAU - Lindaus Jahreschronik hat ihren ersten Knaller: Der Blaulichttag am Sonntag hat so viele Menschen auf die Insel gezogen, dass die Staus im Stadtgebiet hochsommerliche Ausmaße angenommen haben. Aber das bisschen Verkehrsinfarkt haben die Besucher locker weggesteckt – denn der sagenhaft schöne Frühsommertag war die Mühe allemal Wert.

Von unserem Mitarbeiter Erich Nyffenegger

Welche Pracht: Allüberall blüht es, sprießt es. Ein Tag wie gemacht, um den Frühling zu umarmen. Runter vom Sofa, rauf auf die Insel! – mehr als 10 000 Menschen folgen dem Lockruf von Sonne und Spektakel. Das Wetter verdient einen Platz im Poesiealbum der schönsten Lenze, so verschwenderisch spannt der Himmel sein Blau über die Maximilianstraße, auf der sich schon kurz vor 11 Uhr die Menschen an den ausgestellten Vorzeigefahrzeugen der Einsatzkräfte vorbeischieben, die heute sich und ihre oft ehrenamtliche Knochenarbeit präsentieren.

Den Rathausplatz dominiert ein ausgewachsener Polizei-Helikopter, zwei Knirpse stehen staunend in der langen Schlange davor: „Wie konnte der hier bloß landen?“, fragt der Kleine unter seiner roten Mütze hervor, und sein Freund meint: „Der Pilot kann halt richtig gut fliegen.“ Alexander Pfaff von der Lindauer Polizei kennt das Geheimnis um den Anflug des Helikopters – aber er grinst und schweigt.

Direkt vor dem Rathaus in einem Zelt hockt Lukas auf einem Fahrrad und starrt hypnotisiert auf den Bildschirm vor ihm. Während er in die Pedale tritt, bewegt er sich virtuell über eine Straße, eine Kreuzung taucht auf – da nähert sich ein Auto von rechts, Lukas bremst blitzschnell. „Puhh!“ Die Computerstimme lobt die Fahrkünste des Buben, die umherstehenden Zuschauer klatschen respektvoll.

Offene Münder auch auf dem Reichsplatz: Dort hievt eine riesige Metallklaue gerade ein großes Stück Beton vom Boden. Das Einsatzfahrzeug jault und knattert – ein kleines Mädchen mit Eistüte hält sich die Ohren zu. „Das nennt man ,schwere Bergung‘“, brüllt Sascha Hoffmann, der in respektvollem Abstand seine Kollegen vom THW bei der Arbeit beobachtet.

Am Seehafen sind alle Augen auf einen Container gerichtet, der an einer Front verglast ist. Drinnen werkeln zwei Taucher vom THW . „Wir können unter Wasser sogar mit dem Schneidbrenner arbeiten“, erklärt der Helfer mit dem Mikrofon. Dann demonstrieren die Einsatzkräfte, wie die Taucher mit den Leuten im Trocknen kommunizieren: Es gluckert und knarrt erst, ganz so, als habe der Taucher einen schlimmen Schnupfen – dann tönt ein glockenklares „Hallo“ aus den Lautsprechern – alles winkt, alles klatscht.

Die Wasserwacht zeigt in Übungen im Hafen, wie Menschen aus dem Wasser gerettet werden oder ein Boot geborgen wird. Fast ein Dutzend Stände auf der Insel sind umlagert von Neugierigen, die den Feuerwehrleuten, Rotkreuzmitarbeitern oder Polizeibeamten zuhören, wenn diese von ihrer Arbeit berichten und dadurch auch potenzielle Nachwuchskräfte für ihre wichtige Arbeit begeistern.

Zeitung mit dem eigenen Bild

Wie das Leben so als richtiger Feuerwehrmann ist, erfährt die kleine Laura am eigenen Leib. Sie darf den Schlauch halten und voll auf eine Holzbude spritzen, während die Fotografin alles im Bild festhält. Am Stand der Lindauer Zeitung drucken freundliche Helfer dann eine Zeitungsseite aus – auf dem Titelbild prangt Laura, die vor Stolz fast platzt.

Aber nicht nur Kinder strahlen heute mit der Sonne um die Wette – auch die Geschäftsleute freuen sich über den Blaulichttag, der mit einem verkaufsoffenen Sonntag kombiniert ist. Zum Beispiel Bernhard Thyson in seinem Hutgeschäft, der vor lauter Kundschaft nicht weiß, wo ihm der Kopf steht. „Die Cuba-Caps liegen voll im Trend“, sagt er und sortiert einen Stapel Mützen vor sich.

„Eine Supersache“, bestätigt Kreisbrandrat Friedhold Schneider, der jede Menge Arbeit mit der Organisation des tollen Tages gehabt hat. „Schade nur, dass nicht alle den Blaulichttag unterstützen“, bedauert Schneider mit Blick auf die Lindauer Stadtwerke, die sich geweigert hätten, den nötigen Strom für die Vorführungen zur Verfügung zu stellen. „Das ärgert mich schon.“ Zum Glück für die Akteure sind Geschäftsleute eingesprungen.

Die Schlange vor dem Helikopter ist indes noch immer nicht kleiner geworden, obwohl sich rumgesprochen hat, dass das Fluggerät mit dem Tieflader auf die Insel gebracht worden ist und nur noch Anschauungszwecken dient. Macht aber nix. Denn über den Köpfen der 10 000 Besucher kreist am Nachmittag ein Original, das später vor der Spielbank landen wird.

 

 
   

Bilder: P. Vosseler und A. Eigler THW Lindau (B)

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