„Dunkel, kalt, dreckig – also echtes Abenteuer!“ (Quelle: Lindauer Zeitung vom 17. Mai 2010 / Nr. 111)

 LINDAU - Die Sonne schien in Strömen, als am Samstag, beim ersten „Unterberger Diving Day“ rund 40 Taucher ins Hafenbecken stiegen. „Wenn ihr da unten aus dem Schlamm heraus angelächelt werdet, dann sind das vielleicht die vermissten dritten Zähne, die uns gemeldet wurden“, meinte Moderator Christoph Scheule vom B5.

 Von unserer Mitarbeiterin Susi Donner

Ja, es hätte auch ein warmer Frühlingsabend sein können, so mitten im Mai. Aber das war es nicht. Im  Gegenteil: Nass, kalt, düster. Den Tauchern macht das nichts aus; denn sobald die den Kopf unter Wasser haben, ist ihnen das Wetter oben egal. In Booten der Wasserwacht werden sie ab 19 Uhr, als das letzte Schiff der Bodensee-Schifffahrt den Hafen verlassen hat, zu den Einstiegstellen gebracht. Etwa dreieinhalb Meter ist das Wasser im Hafenbecken tief. In voller, etwa 30 Kilogramm schwerer Ausrüstung, beinahe wie für einen Spazierganz auf dem Mond, lassen sie sich ins Wasser fallen. Und werden sofort federleicht. Sie sind alle registriert und für jeweils zwei Taucher ist ein Mann vom THW zuständig – hat sie im wahrsten Sinne des Wortes an der Leine. Zuvor werden Zeichen für „rechts“, „links“, „Achtung!“ und „sofort  atauchen!“ vereinbart.

Was sie nach kurzer Zeit an die Oberfläche befördern, kann sich sehen lassen. Hinter dem Mangturm auf  einen Haufen gelegt, bilden die Fundstücke schon nach dem ersten Tauchgang ein richtig künstlerisches Stillleben, dem ein gewisser Charme nicht abgesprochen werden kann: Mit Muscheln und Algen hübsch  gewachsen liegen und stehen einträchtig ein alter Abfallkorb, eine Promenadenbank, ein alter Eisenkübel, eine Kabeltrommel, ein Bootshaken, Flaschen, Dosen...und vieles mehr, einträchtig beisammen.

Die Taucher erzählen, dass sie unten kaum einen Meter weit sehen und, um etwas zu finden, auf Tuchfühlung mit dem schlammigen Grund gehen müssen. Wo um alles in der Welt liegt nur der Reiz am Tauchen unter solch widrigen Umständen? Philippe Busson aus Langenargen bringt es auf den Punkt: „Es ist dunkel, kalt, dreckig – also ein echtes Abenteuer!“ sagt er nach seinem Tauchgang begeistert. Außerdem mache es natürlich einen beträchtlichen Reiz aus, dass man sonst im bayerischen Teil des Bodensees nicht tauchen darf. „Das dürfen sonst nur Marinekampftaucher.“

Der Zweck wird erfüllt

Loretta hat in ihrem „Einkaufs-Sammelnetz“ unter anderem einen Unterteller vom „Bayerischen Hof“ ans Tageslicht geholt. Hier sind die Besitzverhältnisse also schnell geklärt. Denn die Veranstalter mussten der

Polizei versprechen, dass alles, was aus dem See gesammelt und gefischt wird, gesichtet und, wenn irgendwie möglich, an den Besitzer zurückgegeben wird. Die Nacht bricht herein. Aber das macht nichts; denn das THW hat schweres Gerät aufgefahren, leuchtet das Hafenbecken so gut aus, dass es beinahe taghell bleibt. Wer seinen Tauchgang beendet hat, kann sich im Zelt der Feuerwehr umziehen und warm duschen.

Reiner Eenhuis, der sich seinen Partnern Alexandra und Nikolaus Epple von der Tauchakademie Bodensee in Kressbronn/Gohren den Diving Day ausgedacht hat, motiviert die Taucher, die spärlichen Zuschauer – und wohl auch sich selbst – tapfer. Sinn und Zweck des Diving Days seien erfüllt. „Wir wollen unserer Umwelt zuliebe noch mehr solche Operationen starten. Lindau ist die Keimzelle dieser Umweltschutzaktionen, die rund um den Bodensee und darüber hinaus gehen sollen!“ Richtige  Wertgegenstände werden keine geborgen – und auch die vermissten Dritten haben niemanden angelächelt...


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Seeputzete unter Wasser -- das ist der Tauchtag im Lindauer Hafen: Immer zwei Taucher werden von einem THW-Mann oder einem Helfer der freiwilligen Feuerwehr an der Leine geführt. Im Bild ist das Andreas Willhalm von der FFW.

Norbert Landerer vom THW hilft Taucher Sascha Wilde aus Ravensburg beim Aufrüsten. Rund 30 Kilo Ausrüstung schleppt jeder Taucher mit.

Klaus Müller Einsatzleiter der Wasserwacht, Martin Aichele von der Feuerwehr, Arnold Weiner von Prolindau und Dr. Thomas Fischer vom Rettungsdienst des BRK (von links) bewundern abends die geborgenen „Schätze“.

Einen alten Gepäckwagen vom Hauptbahnhof haben die Taucher als erstes Fundstück geborgen. Die Leute vom THW nehmen den Tauchern die schwereren Gegenstände gleich ab.

Stillleben -- nach dem Diving Day.

Fotos (5): Susi Donner