Für alle Ölunfälle gerüstet (aus: Lindauer Zeitung vom 11.09.2006)LINDAU (hip) - Einheimische und Urlauber flanieren am Lindauer Seehafen. Sie bleiben an diesem Samstag nicht nur stehen, um den See und die Berge, Löwe und Leuchtturm zu bewundern. Auch das Technische Hilfswerk (THW) Lindau zieht mit seinen Vorführungen zum 50-jährigen Bestehen die Blicke auf sich.Im Einsatz sind die Fachgruppen Wassergefahren, Bergungstaucher und Ölabwehr, über deren Arbeit Roland Kohlheim über Mikrophon informiert. Am Steg liegen die beiden Arbeitsboote „Ferdinand“ und „Arnold“, benannt nach zwei verdienten Althelfern. Die Boote haben Radar, Navigationssystem und einen Turbodieselmotor, der stolze 260 PS Leistung bringt. „Ferdinand“ besitzt zusätzlich einen Kran. Das kleine „Julchen“ dagegen ist ein reines Übungsboot ohne Steuerstand und Motor und „dient zum Versenken“, damit die THWler üben können. Im gläsernen Tauchbecken zeigen die Taucher den Zuschauern zahlreiche Unterwasserarbeiten. Tauchgruppenleiter Walter Nuber und Thomas Waldek führen an Land ein wassertaugliches Brennschneidegerät vor. Das Gerät arbeitet mit Sauerstoff. Die Elektrode besteht aus einem Kupferrohr, das innen mit Magnesiumstäben bestückt ist. Diese lassen sich auch unter Wasser elektrisch zünden und entwickeln an der Spitze 5000 Grad Hitze. Erwachsene wie Kinder staunen über die Flammen, die unter der Wasseroberfläche züngeln. Viele Besucher zieht es zu den Vorführungen der Ölabwehr. Da liegen Ölsperren, Schwimm-, Kiel- und Schaufelskimmer auf dem Wasser. Mit den Skimmern lassen sich Verunreinigungen von der Oberfläche absaugen. Das Gemisch wird in den mobilen Benzinabscheider gepumpt oder in Rückhaltetanks zwischengelagert. Im Abscheider durchläuft das verschmutzte Wasser drei Kammern, wird mittels Aktivkohlefiltern gereinigt. Das Öl wird abgenommen, das saubere Wasser in den See zurückgepumpt, erklärt der stellvertretende THW-Ortsbeauftragte Reiner Lissek. Auch der Nachwuchs ist dabeiEin spezielles Gerät „zum Feinöl rausholen“ ist der „Mopmatic Wringer“. „Das beste und effektivste“ sagt Lissek zu dem auf dem Wasser schwimmenden wischmopartigen Seil mit antistatischen Fasern, die das Öl anziehen und das 700-fache ihres Eigengewichts aufnehmen. Das getränkte Seil durchläuft an Land eine Art Mangel und wird in einem ständigen Kreislauf wieder ins Wasser zurückgeführt. Jugendleiter Wolfgang Juhre übt mit dem THW-Nachwuchs die Standardknoten für das Tonnenfloß. Jessica Misiak (15 Jahre) und Christina Detsch (17) sind eifrig beim Üben. Wie sie zum THW kamen? „Mamas Freund ist auch dabei“, sagt Jessica. Christina ist ihrer Freundin einfach nachgefolgt. „Unsere Köche sind sehr gut“, lobt die Jüngere die THW-Küche. Die fünfjährige Annemarie, die das Knotenknüpfen auch gerne lernen würde, muss noch etwas warten. Denn beim THW, das auf die Jugendarbeit großen Wert legt, darf man erst mit 14 Jahren anfangen. Mewanda (8 Jahre) hat das Klettergerüst ausprobiert. Der 12-jährige Marco Bamberger aus Giengen/ Brenz, unterwegs mit Vater Klaus und Bruder Manuel (4), interessiert sich für sämtliche Vorführungen. Als TWH-Nachwuchs kommt er aber nicht in Frage: „Ich bin schon in der Jugendfeuerwehr.“ |