Von unserer Mitarbeiterin Maria Luise Stübner
„Wir kommen jedes Mal, wenn das THW eine Schauübung macht“, sagen Wolfgang Mück aus Bösenreutin und Josef Wiest aus Weißensberg, „es gibt immer wieder etwas Anderes und Neues zu sehen.“ Beide werfen fachmännische Blicke auf das Geschehen, denn sie waren bis zur Rente viele Jahre lang beim städtischen Bauhof in Lindau beschäftigt und hatten selbst „viel mit dem THW zu tun“. Auf dem Vorplatz lässt sich ein Teil des THW-Fuhrparks bestaunen: ein Gerätekraftwagen, ein Tauchfahrzeug, ein Wechsellader und ein Ladekran. Zugführer Peter Vosseler kündigt die einzelnen Vorführungen an. Wie sich aus Tonnen, Rundhölzern, Seilen, Bünden und Knoten ein „Tonnensteg“ beziehungsweise ein ganzes Floß herstellen lässt, zeigt die THW-Jugendgruppe, betreut von Wolfgang Juhre und Michael Kollmann.
Jürgen Brombeiß erklärt Rettungsspreizer und Rettungsschere sowie die Hydraulikheber zum Bewegen von Lasten. Die kleinen schaffen je 15 Tonnen, die großen 63. Bis zu 40 beziehungsweise 80 Tonnen heben die vier Druckluft-Hebekissen. Wie genau diese zu steuern sind, führen die Mannen des THW mit einem auf schweren Betonteilen aufgestellten Labyrinth vor, durch das sie einen Ball bewegen. Claudia Bauer, seit zwei Jahren aktiv beim Lindauer THW, zeigt, wie sich mit einem Brennschneider ein dicker Stahlträger in kurzer Zeit durchtrennen lässt. Nico Reinhardt und Reinhard Mayer sind vom THW-Ortsverband Memmingen angereist. Sie führen die hydraulische Betonkettensäge vor. Sie sei erschütterungsarm und könne sogar eisenbewehrte Betonwände durchsägen, erklärt Reinhardt.
Viel Zuspruch finden die Rettungsaktionen zum Mitmachen. So nimmt Hannelore Geiger an der Seilbahn ihren sechsjährigen Enkel Philipp in Empfang. Er steigt aus dem am Seil hängenden Schleifkorb. Der Korb hat Kufen wie ein Schlitten und kann auch gezogen werden.
Auch im Innern des Lindauparks sind Vorführungen angesagt. „Helfen ist gut, helfen können ist besser“, sagt hier Roland Kohlheim und gibt Erklärungen zur Höhenrettung mit dem Rollgliss-Gerät und zu einer weiteren Seilbahn mit Schleifkorb, die im Ernstfall Verletzte liegend aus der Gefahrenzone bringt. „Lassen Sie sich mal retten“, lautet Kohlheims Angebot, das vor allem Kinder und Jugendliche gerne in Anspruch nehmen. So hat sich Michaela Reichl von einem Helfer mittels Dreiecksrettungstuch, Bergsteigerseil und Rolle abseilen lassen. „Zuerst hatte ich Schiss“, gesteht die 13-Jährige, „aber nach der Hälfte ging’s.“ Ihr Bruder Christian (12 Jahre) war gleich zwei Mal mit von der Partie – nachdem die Schwester den Anfang gemacht hatte. Michaelas Freundin Anna Reinholz (9) betrachtet das Geschehen aus sicherer Entfernung: „Ich hätte ein bisschen Angst abzustürzen.“ Annas dreijähriger Bruder Luca zeigt Mut. Er hat fast zwei Meter der Kletterwand erklommen und sich auch von der Seilbahn transportieren lassen. Ob das cool war, fragt Anna. Luca bejaht. Die Kletterwand ist überhaupt der Renner, auch die neunjährigen Freunde Daniel Specht und Raphael Mittmann aus Lindau lassen sich in den Kletterbund helfen und besteigen die Wand.