150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Lindau
| „Eckpfeiler unserer Sicherheit“ (aus: Lindauer Zeitung vom 24.05.2004) |
LINDAU – Das Alte Rathaus hat am Samstag mächtig Konkurrenz bekommen. Während draußen die Touristen die Drehleiter der Wache West und mehrere Feuerwehrfahrzeuge unter die Lupe nahmen, feierte die Lindauer Feuerwehr im Sitzungssaal mit einem Festakt ihr 150. Jubiläum.Von unserer Mitarbeiterin Benedikta Rothstein Kaum ein Verein dürfte ein größeres Recht haben, im Alten Rathaus zu feiern, als die Feuerwehr. Schließlich war die Wehr bis 1950 im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht, erinnerte Oberbürgermeisterin Petra Seidl bei dem Festakt. 1929 hatte die Feuerwehr sogar einen Dachstuhlbrand bekämpft und das historische Gebäude gerettet. Vorstand Martin Reich sagte, dass sich die Feuerwehr immer ihren Traditionen verpflichtet gefühlt habe, dabei aber stets „offen für Neues“ geblieben sei. Mit gutem Grund: Das Aufgabenfeld der Wehr hat sich entsprechend dem technischen Wandel stark geweitet. Um die Schlagkraft der Wehr zu gewährleisten, bedürfe es heute „gut geschulter Spezialisten“. Darüber hinaus könne sich die Wehr mit Robert Kainz auf eine vorausschauende Führungskraft verlassen. OB Seidl lobte die Vorbildfunktion der Feuerwehr für die Jugend. Der ehrenamtliche Dienst sei „praktische Nächstenliebe“ und gründe in „einer besonderen Form der Lebensphilosophie.“ „Freundschaft und Kameradschaft“ spielen eine zentrale Rolle, sagte Seidl. Dabei habe gerade die Lindauer Wehr ihre Kameradschaft weit über die „Grenzen der Stadt“ hinausgetragen – und nach dem 11. September enge Freundschaften mit den New Yorker Firefighters geknüpft. So war eine Delegation aus New York zum Jubiläum in Lindau. Bemerkenswert seien auch der freundschaftliche Kontakt zu den Feuerwehren in Vorarlberg und die gute Zusammenarbeit mit dem THW. Ludwig Schmid, Regierungspräsident von Schwaben, wies darauf hin, dass nur „wenige Feuerwehren in Bayern sich die Zahl 1854 auf ihre Fahnen schreiben“ könnten. Zu den Besonderheiten der Lindauer Wehr zähle die Tatsache, dass in den Anfangsjahren die Mitglieder der Steigerrotte Turner waren, und Feuerwehrfeste mit Preisturnwettbewerben verbunden wurden. Heute seien vor allem psychische Höchstleistungen zu erbringen. Etwa nach „furchtbaren Einsätzen“ bei Verkehrsunfällen. Landrat Eduart Leifert berichtete von der Faszination, die die Kameradschaft in den Feuerwehren auf Jugendliche ausübe. Dies, obwohl die Einsätze stets „großes persönliches Engagement“ erforderten, oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Alfred Raible, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Schwaben, nannte die Feuerwehren deshalb einen „Eckpfeiler unserer Sicherheit“. Der Landesbeauftragte des THW Bayern, Dieter Löffler, beglückwünschte die Stadt, die eine schlagkräftige Feuerwehr habe. In Lindau sei die Zusammenarbeit des THW mit der Feuerwehr einmalig, etwa bei der Ölwehr und beim Katastrophenschutz. Die enge Verbindung zeige schon das Einverständnis der Wehr, dass Löffler bei dem Festakt zwei verdiente Mitglieder des THW mit dem Bronzenen Ehrenzeichen der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk würdigen durfte: Wilhelm Scholz und Reiner Lissek. Auch Paul Lau, Abschnittsfeuerwehrkommandant der Feuerwehr Bregenz, würdigte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Lindauer Wehr, deren Freundschaft er „seit 15 Jahren hautnah“ erlebe. Die Lindauer hätten den Bregenzern bereits mehrfach in größter Not geholfen. |